Sonntag, 30. Oktober 2011

Im Hier und Jetzt - Begegnung mit Woody Allen und Midnight in Paris

Als der Film beginnt bin ich wirklich zurückversetzt in den Mai dieses Jahres - da war ich mit einer Gruppe wunderbarer Leute in dieser traumhaften Stadt unterwegs... habe so viele touristische Orte gesehen, konnte "Bilderbuchblickwinkel" einnehmen und den Zauber von Paris aufnehmen.
Midnight in Paris - mein erster Woody Allen Film. (Vielleicht öffnet gerade dieser Umstand dem Film bei mir die Türen, lassen sich doch Kritiker durchaus negativ darüber aus, dass Allen "nur seinem Schema folgt")
Nach 94 Minuten mit Gil Pender und schönen Bildern, interessanten Figuren, viel ironischem Witz und wunderbar karikierten Charakteren der "Großen" der Lost Generation gehe ich lächelnd, zufrieden und mit vielen Gedanken im Kopf nach Hause.
http://2.bp.blogspot.com/-Ky8ByM8m_1o/TZO_mtaCHPI/AAAAAAAAAC4/rwAbG58NTUs/s1600/Midnight%2Bin%2BParis%2BMovie.jpg
Der Film taugt für einen super netten Kino-Abend! Aber würde er hier auftauchen, wenn er nicht entweder superschlecht wäre oder mehr zu bieten hätte? ;-)
Der Protagonist, Schriftsteller mit Selbstzweifel und der großen Sehnsucht nach MEHR und TIEFE und ECHTHEIT hat am Ende (natürlich) sein Aha-Erlebnis. Ein geheimnisvolles Taxi bringt ihn Nacht für Nacht in die Zeit, von der er denkt, es sei die Beste: die goldenen Zwanziger und die natürlich in Paris, wo sich die Avantgard sammelt und austauscht und das Leben nicht nur lebt sondern teils feiert, teils erleidet. Er ist fasziniert von den Figuren, verzweifelt ob seines Geisteszustandes, nimmt aber diese nächtlichen Erlebnisse mit jeder Faser auf, um seinem eigenen Leben auf die Spur zu kommen. Er genießt die Feste, die Offenheit, die Szene. Und er hört auf das, was ihm seine Idole und Vorbilder sagen. Man könnte sagen: er holt sich Orientierung. Und findet seinen eigenen Standpunkt, seine eigene Überzeugung und die lautet: Man sehnt sich immer nach der Vergangenheit, weil man sie mit einem Zauber belegen kann, der alles weich zeichnet, alles wunderbar und schön und leicht und inspirierend und liebenswert und und und macht.... Dieser Zauber verherrlicht das Vergangene und erschwert gleichzeitig das Leben in der Gegenwart. Gil entscheidet sich am Ende für die Gegenwart. Entscheidet sich für seinen eigenen Weg. Entscheidet sich für Paris.
Woody Allen DARF am Anfang des Filmes Urlaubsfotos gleich, minutenlang, mit wunderschöner Musik untemalt den Glanz der Seine-Stadt über die Leinwand ziehen lassen. Er DARF die schönen und glitzernden Seiten dieser Weltstadt zeigen und den anderen Blick auf die vielen Gesichter der Metropole außen vor lassen. Er läßt den Kinobesucher so in den Film einsteigen, wie es der Protagonist auch tut. Es ist ok. Keine falsche Kinokritik. Keine Vorwürfe an den Altmeister und soll er ruhig (mal wieder) sich des Jazz bedienen - er passt.
Jetzt sage ich: anklicken und dann weiterlesen
http://www.youtube.com/watch?v=RT8bl9uUQhs&feature=related
...And that's why birds do it, bees do it
Even educated fleas do it
Let's do it, let's fall in love...
Lieben - nicht nur (wie Hemmingway es Gil bei einer Autofahrt sagt: eine Frau so lieben, dass man für einen Augenblick das Gefühl hat, keine Angst vor dem Tod zu haben - unsterblich zu sein) einen Menschen - das Leben als solches und zwar am bestes das Eigene!  In Moment leben, hier und jetzt. Weder vergangenen Dingen und Zeiten, alten Gefühlen, verpassten Chancen, den guten alten Zeiten .... nachtrauern noch stetig in die Zukunft schauen.
Das Leben ist heute. Nicht gestern und nicht morgen. HEUTE.
Ja, schon klar, man kann auch einfach nur einen schönen Film anschauen ;-)
Stimmt - HEUTE, im hier und jetzt.

hier noch der Trailer
http://www.youtube.com/watch?v=4bzGRV__09Y

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